Harry Potter and the cursed child

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Buchrezension: Harry Potter und das verwunschene Kind 

Wenn man wie ich quasi mit Harry, Hermine und Ron aufgewachsen und mit den Hauptcharakteren „mitgealtert“ ist, wird natürlich die Neugierde bei jeder neuen Erscheinung aus dem Harry-Potter-Universum geweckt. Mich hat es sonntagmorgens dann gepackt und ich bin schnell zur Bahnhofsbuchhandlung geradelt, um den achten Band zu kaufen. Erwartungsvoll mache ich es mir mit einer Tasse Tee auf dem Sofa bequem…

Harry Potter und das verwunschene Kind von J.K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne ist kein herkömmlicher Roman wie die anderen Bände zuvor. Es ist ein Theaterstück, das die siebenbändige Reihe um eine achte Geschichte erweitert. Seit dem 24. September 2016 ist das Skript nun auch in einer deutschen Version auf dem Markt. Die Inszenierung besteht aus zwei Teilen und beginnt dort, wo der siebte und letzte Teil der Harry-Potter-Romane endet.

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Das Cover des Buches ist in warmen Farben gestaltet, auf den ersten Blick erinnert das geflügelte Nest, in dem Kind sitzt, an einen Schnatz. Da die Geschichte in Skriptform geschrieben ist, kommen im ersten Moment schreckliche Erinnerungen aus dem Schulunterricht zurück – Kabale und Liebe, Romeo und Julia und Der Besuch der alten Dame stehen nicht sehr weit oben auf meiner Favoritenliste. Man braucht eine kurze Eingewöhnungszeit um mit dem Format und den neuen Namen zurechtzukommen, doch dann liest sich das Stück fast wie ein normaler Roman. Ich bin ganz schnell wieder in der Zaubererwelt angekommen und sofort werden alte Erinnerungen wach. Die Fantasiewelt, die man sich als Jugendlicher im Kopf aufgebaut hat, wird wieder zu neuem Leben erweckt. Fast so als würde man alte Bekannte treffen, Gleis 9 ¾ – hach wie schön…

19 Jahre nach seinem erfolgreichen Kampf gegen den dunklen Lord ist Harry Potter ein erwachsener Mann geworden, der mit den ganz normalen Problemen des Alltags zu kämpfen hat. Der 37-Jährige ist nun ein überarbeiteter Mitarbeiter des Zauberei­ministeriums, der in der Abteilung für magische Strafverfolgung angestellt ist und mit der Erledigung des Papierkrams heillos hinterherhinkt. Er ist mit Ginny Weasley verheiratet, die nun als Quidditch-Korrespondentin für den Tagespropheten tätig ist. Mit ihr hat Harry drei Kinder – James, Albus und Rose. Zu seinem jüngsten Sohn Albus Severus – der Hauptcharakter in dem neuen Band – hat er ein sehr distanziertes und schwieriges Verhältnis. Während sich Harry in früheren Zeiten seinen jetzigen Status hart erkämpft hat, hadert Albus noch mit dem Erbe seiner Familie und damit, immer im Schatten seines berühmten Vaters zu stehen.

Wie also schlägt sich das Theaterskript im Vergleich zu den Büchern? Kann es mit den Romanen mithalten? Nein, kann es nicht, muss es aber auch gar nicht.
Es ist schön, wieder in die Harry-Potter-Welt abtauchen zu können. Allerdings fehlt den Schauplätzen die Tiefe, was vermutlich an der Skriptform liegt. Die Abhandlung der Figuren ist leider insgesamt sehr oberflächlich, geliebte Charaktere wie Harry, Ron und Hermine kommen nicht immer besonders gut weg. So wird beispielsweise Ron im gesamten Buch als rückständiger Trottel dargestellt, den niemand so richtig ernst nimmt. Zudem weist die Handlung ein paar Logikfehler auf und durch massive Zeitsprünge kann man sich schwerer mit dem Hauptcharakter identifizieren und dadurch viele Handlungen nicht so recht nachvollziehen.

Trotz allem ist die Erzählung eine gelungene Transformation der Harry-Potter-Story in ein Theaterskript, in dem die Geschichte ausschließlich durch Dialoge vorangetrieben wird. Dadurch fehlen allerdings die sorgfältigen Beschreibungen und die liebevoll beschriebenen Details, die sonst exemplarisch für Rowlings Schreibstil sind. Die Geschichte baut so auf das vorhandene Wissen der Leser auf und zehrt von dem „Zauber“ der vorherigen Romane. Aber es funktioniert trotzdem. Der achte Band liest sich anders – mit weniger Liebenswürdigkeit, dafür mit mehr Geschehen und Aktion, so dass man es sich als Theaterstück sehr gut vorstellen kann.  Es ist auf jeden Fall mitreißend und teilweise auch spannend. Oft fragt man sich beim Lesen, wie dies dann im Theaterstück umgesetzt wird.
Insgesamt kann ich das Buch jedem Harry Potter-Fan weiterempfehlen – trotz seiner Fehler und Macken. Wenn man sich bewusst ist, dass diese Geschichte ein Theaterstück ist, werden auch die einzelnen Kritikpunkte etwas abgemildert, da die Figuren und Schauplätze natürlich nicht so viel Tiefe haben können. Ich sehe das Skript eher als  eine schöne Möglichkeit mal wieder in diese fantastische Welt von Harry Potter einzutauchen und in Erinnerungen zu schwelgen. Man erfährt Details über die Kinder des goldenen Trios sowie das Erwachsensein der Jugendhelden.
Es ist eine Erzählung über Freundschaften sowie eine Vater-Sohn-Geschichte mit Herz. Und eines hat sie mit den anderen Bänden gemein: Nämlich dass die größte Magie nicht in einem Zauberstab steckt, sondern in der Liebe.

Endlich ein guter Anstoß mal wieder die alten Bücher hervorzukramen. Und vielleicht flieg ich irgendwann nach London und schau mir das Theaterstück an…

J.K.Rowling, John Tiffany, Jack Thorne: Harry Potter und das verwunschene Kind. Carlsen, 336 S., 19,99€, Übersetzung: Fritz/ Hansen-Schmidt

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Harry Potter: Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script)*
*Affilate Link

 

Habt ihr den achten Harry-Potter-Band schon gelesen? Wie hat euch das Buch gefallen?

6 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für diesen ersten Einblick. Ich bin auch mit der Harry-Potter-Reihe aufgewachsen und mir fehlt diese wundervolle magische Welt. 🙂
    Ich denke ich werde mir diesen Teil auch mal durchlesen, um so wieder in diese Welt eintauchen zu können. 🙂
    LG Rebecca

    1. Gern geschehen 🙂 ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen. Du kannst dann ja mal berichten, wie dir das Buch gefallen hat 🙂

  2. Danke für die tolle Rezension! Mir geht’s genauso. Auch ich bin quasi damit groß geworden und konnte es auch kaum erwarten, dass Buch zu lesen. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der neuen Figuren war ich sehr positiv überrascht. Vor allem die Freundschaft zwischen Albus und Scorpius ist sehr raffiniert.
    Viel Spaß beim Schmökern weiterhin. Liebe Grüße,
    Vera

    1. Gern 🙂 ja, die Freundschaft zwischen den beiden finde ich auch sehr interessant, Scorpius ist mir eh in dem Buch voll sympathisch…und das als Malfoy 😉 Dir auch noch viel Spaß beim Schmökern!

  3. Mir hat das Buch leider nicht besonders gut gefallen – ich hab es nicht mal fertig gelesen weil es mir irgendwie ein deprimiertes Gefühl gemacht hat :-O Dabei bin ich ein glühender Harry Potter Fan. Naja, ich bleibe bei den alten Büchern, die kann man ja immer wieder lesen 😀
    Als Theaterstück würde ich das ganze aber trotzdem gerne sehen (nur ist das leider hoffnungslos ausverkauft).
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

    1. Ja, das Buch ist im Vergleich zu den anderen Bänden schon eher düster…hab jetzt auch nochmal mit den alten Büchern angefangen 🙂
      Ich hoffe einfach drauf, dass das Theaterstück auch irgendwann mal nach Deutschland kommt, obwohl ich es auch wirklich gerne in London schauen würde!

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